Tagebuch der Deutsche Meisterschaft 2012 in Rastatt



.Es ist geschafft. Monatelange Arbeit und eine intensive Vorbereitung auf die für uns erste Deutsche Meisterschaft im Fahnenschwingen in Rastatt hat sich im vollen Umfang gelohnt. Wenn auch nicht jeder Wurf wie bei den Althasen aus anderen Vereinen seine Wurfbahn wieder zum Fänger fand, haben wir dennoch den Titel Vizemeister im Marschieren erzielt und einen tollen 4. Platz im Fahnen-Show Programm mit nur 2,5 Punkte weniger zum 3.-Plazierten erreicht.

1. Tag – Freitag. 31.08.2012 – Eröffnungstag

Allein bei der Eröffnungsfeier wurde der Sport der Fahnenschwinger nicht nur den Rastättern eindrucksvoll präsentiert. 55 Fahnenschwinger auf einer Fläche eines Fussballfeldes im Einklang mit der Musik der Fanfarenzüge wurden synchron alle Vereinsfahnen präsentiert zum Konstanzer Fahnenspiel. Imposant und eine auf die Geschichte und Tradition aufgesetzte Symphonie von bunten Fahnen, Uniformen und einer traditionellen Musik brachte nicht nur manchem Vereinmitsglied der 10 Teilnehmernationen die Tränen vor lauter Rührung aus den Augenwinkeln hervor. So manch ein Zuschauer auf den Seitenrängen hat seine Meinung zum Thema Fahnenschwingen aus seiner Spielzeugschublade wieder herausgeholt und sie unter der Schublade, interessanter und familiärer Aktionssport eingeordnet, welcher zusätzlich das Vereinsleben fördert. Ob Jung oder Alt. Bei dem Eröffnungsshowprogramm waren alle Altersgruppen vertreten; wir sind halt eine große Familie.

2. Tag – Samstag 1.09.2012

Der zweite Tag war für uns und auch allen anderen Akteuren eine Zerreisprobe der Geduld. Werde ich es schaffen, wird die Fahne fallen, hab ich die Abfolge aller Würfe noch im Kopf. Das Wetter am Abend meinte es sonnlich gut  mit uns, aber über einen gedrückten Ausschalter am Ventilator der Himmelsgötter wären wir nicht abgeneigt gewesen. Hoffentlich weht der Wind beim Werfen meine Fahne nicht dorthin, wo ich gar nicht stehe.
Von weitem ist Sie zu hören, die Glocke, mit der verzweifelten Nachricht an alle Teilnehmer der Disziplin Fahnenschwingen im Gehen auf 100 Metern mit eingebautem Formationen und Würfen, es ist 18:00 Uhr. Wir sind die ersten auf der Abfolgeliste der Teilnehmer und die Nervosität erreicht Ihren Höhepunkt. Nur noch warten auf das Zeichen und die Frage des Moderator:“ Seid Ihr Fertig, dann Musik ab“. Es kam jedoch nichts der Gleichen. Wie aus dem Nichts füllten sich unsere Gehörgänge mit dem gewohnten Klang der Marschmusik (das Badener Lied) unseres Programms; da war es, das Zeichen um Loszugehen, ohne das wir Fertig waren. Naja, wir sind hier bei der Deutschen Meisterschaft und nicht am Spielplatz nebenan. Also Zähne zusammenbeißen und los gehts. Nach 5 Metern hatten wir unseren Rhythmus im Blut und in den Beinen. Die Arme taten das gleiche, was sie es 4 Wochen lang zuvor bei der Proben auch taten. Fahne schwingen, werfen, auffangen, fallen lassen (ja auch das ist mal passiert), Fahne übergeben…

 

Die schwarz-gelbe Linie in weiter Ferne kam dem Adrenalienspiegel eines jeden von uns sehr zu Gute, denn das war das Zeichen, gleich ist es geschaft. Nach 4 Minuten und 38 Sekunden dann die Erlösung. Verbeugen, ins Publikum lächeln und winken, warten auf die 7 Schiedsrichter und deren Wertung. Plus/Minus/Minus/Minus… Ganz gleich; wichtig war nur, was ergibt die Gesamtsumme und was erbringen die anderen Gruppen. Am Ende der Rechenprozedur die Gewissheit, laut Adam Riese haben wir den Vizemeister in der Tasche. Aber Recht haben und Recht kriegen. Die offizielle Auswertung erfolgt erst am Sonntag nach dem Frühstück auf dem heiß begehrten Infostand der einzelnen Kategorien und Positionen der erreichten Ziele.

Am Abend wurden alle Hüllen fallen gelassen und es war ganz gleich zu welchem Verein man angehörte. Bei der DFV-Party im Partyzelt standen sich alle Vereinsmitglieder der Vereine nicht nur auf der Bühne zu Titeln wie „Macarena“ oder „Das Rote Pferd“ sehr nah und rockten die Bude, sondern auch beim gemütlichen Zusammensein wurden alte und neue Kontakte geknüpft. Hier ging es weder um Schönheit oder Synchronität; hier wurde bewiesen, daß ein Vereinsleben auch neben sportlichen Höhenpunkten und Trainingsphasen lustig und familiär sein kann. DJ gemäß aufgelegt wurde durch ein Mitglied aus dem Verein Schwarzer-See-Geister aus Bad Säckingen – unser Frank. Zusätzliche Showeinlagen einzelner Interpreten der Vereine brachten auch die Lachmuskeln zum Einsatz. Es wurde ein sehr; sehr langer Abend, wie man am nächsten Morgen bei einigen Teilnehmern feststellen konnte.

3. Tag – Sonntag. 02.09.2012

Was macht man nur mit 15 Meter Stoff, Tüll, Nadel und Faden. Man bereitet sich in nächtelanger Näharbeit als Team an einem der Pettycoats und Tellerrocks auf unseren eigentlichen Höhepunkt der Meisterschaft vor. Das Showtanzen mit Fahnen.
Punkt 10:51 wurde der Verein Schwarzer-See-Geister e.V. aufgerufen, um sein Programm der gut gefüllten Halle mit Vereinsmitgliedern und Publikum zu präsentieren. Schon der Weg zur Aufstellung erreichte gefühlte 2 km Entfernung. Nachdem die Aufstellung erfolgte und der Spruch des Moderators uns diesmal erreichte, ging es los.
„Ein schriller Pfiff und dann setzte sofort unser Stück ein. The Best of West Side Story. Zwei sich revalisierende Banden, The Sharks and The Jets, dargestellt durch beide Paare in unserem Verein, Jan und Helga als Jets, sowie Wiebke und Manuel als Sharks, mit eigens für diesen Wettkampf kreierten Fahnen, gaben sich das Debue auf der Showfläche. Wechsel zwischen langsamen Passagen und schnellen Abfolgen in Gruppenkampfszenen samt Fahnenschwung- und Wurfelementen brachten nicht nur die Zuschauer ins Schwitzen. Das Ende vom Lied, als auch vom gesamten Showprogramm, stand kurz bevor. Der erste Mord in der Geschichte des DFV in der Kategorie showmäßiges Fahnenschwingen. Es halte nur noch ein „Hey …“ durch die Halle, als schon ein bis dahin verstecktes Film-Messer seinen Weg von den Jets zu den Sharks fand und Manu in schauspielerischer Manier zu Boden ging. Als Sieger hervorgehend ließ der Jets seine Fahne auf den Toten fallen. Neben einen für uns sehr erfolgreichen 4. Platz in dieser Kategorie haben wir uns als kleiner und neuer Verein ein ebenso gebührenden Namen in dieser Meisterschaft machen können.

Mit der Abschlusszeremonie und dem Einmarsch aller Teilnehmer im Beisein des Oberbürgermeisters aus Rastatt und aus Kostanz, der nächsten Austragungstätte der Deutschen Meisterschaft 2012 , der Verleihung aller Preise ging für ein ein würdiges, erfolgreiches und erlebnisreiches Wochenende zur Neige. Wer den Pokal aus der Nähe betrachten möchte, er steht vorr. ab 06.09.2012 im Stüble der Tennishalle in Bad Säckingen. Wir freuen uns auf jeden Besucher bei der wöchentlichen Proben am Donnerstag zwischen 19:00 und 21:00 in der Tennishalle und Mitmachen ist erwünscht, ob Jung oder Alt, denn Fahnenschwingen ist ein Sport, der anderen Sportarten im Nichts nachsteht.

VP F. Krüger

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